Erste Orgelfahrt ins Allgäu motiviert und begeistert
- 01.03.2026 -
Wurden in Mindelheim beim Neubau der Orgel noch Teile der Vorgängerorgel integriert, so wartete in St. Martin in Memmingen mit der großen viermanualigen Orgel aus der Schweizer "Edelschmiede" Goll (Bj. 1998) ein gänzlich neu konzipiertes Instrument im Stile der romantischen Orgelsinfonik, wo sogar die tragende Empore eigens für die neue Orgel in das historische Kirchenschiff eingebaut wurde. Begeisternd war bei der Vorführung des Instruments durch den "Hausherren" KMD Hans-Eberhard Roß die Vielzahl an Grundstimmen, die daraus resultierende Tragfähigkeit des Klangs und die schiere Höhe des Instruments mit vier übereinander angeordneten Teilwerken.
Die Orgelfahrt ins Allgäu am 28. Februar wurde zu einem begeisternden Erlebnis voller klanglicher Höhepunkte: Vier eindrucksvolle Orgeln in Mindelheim, Memmingen, Kempten und Kaufbeuren, spannende Einblicke und lebendiger Austausch mit den jeweils zuständigen Ortskantoren machten den Tag zu einer inspirierenden Reise durch die faszinierende Welt der Orgelmusik und Orgelbaukunst, die nicht ohne Grund seit 2017 zum immateriellen Weltkulturerbe zählt.
Am 28. Februar brachen neun Mitglieder des "Arbeitskreis Orgelneubau" gemeinsam mit Kantor Johannes Eppelein und dem Orgelsachverständigen KMD Oliver Scheffels zu einer ganztägigen Orgelfahrt ins Allgäu auf. Der Tag wurde zu einem wahren Fest für alle Sinne: Vier höchst verschiedene, aber auf ihre Weise jeweils herausragende Instrumente konnten aus nächster Nähe von Außen und Innen betrachtet sowie aus der Nähe und Ferne gehört werden. Bei den ganz neuen Instrumenten konnte man das junge Holz sogar noch riechen. Die Eindrücke der ersten Orgelfahrt werden noch lange nachklingen - vor allem natürlich die mächtigen Akkorde der besuchten Instrumente.
Schon die Abfahrt in der Fuggerstraße war von gespannter Vorfreude erfüllt: Eine Mischung aus Erwartung, Neugier und musikalischer Begeisterung verteilte sich auf drei Privat-Pkws. Der erste Halt in St. Stephan (kath.) in Mindelheim bot ein beeindruckendes Erlebnis: Mit abwechslungsreichen Improvisationen präsentierte Kirchenmusiker Michael Lachenmayr die ganze klangliche Bandbreite seiner 52 Register zählenden Orgel (Bj. 2015) aus der Werkstatt von Siegfried Schmid in Knottenried/Allgäu.
Das anschließende Mittagessen im Memmingen bot nicht nur kulinarische Stärkung, sondern auch lebhaften Austausch: Eindrücke wurden geteilt, Lieblingsklänge beschrieben, erste Vergleiche gezogen – die gemeinsame Leidenschaft verband die Gruppe und beflügelte die Gespräche.
Gestärkt ging es weiter nach Kempten, wo die Gerhard-Schmid-Orgel der Evang.-Luth. St.-Mang-Kirche auf die Teilnehmenden wartete. Anders als in St. Anna hatte man sich hier 2019 für eine grundlegende, umfassende Sanierung und Neuintonation des aus dem Jahr 1987 stammenden Instruments durch die Orgelbaufirma Klais entschieden. Der Intonateur war bei der Überarbeitung darum bemüht, einerseits den ursprünglichen Schmid-Charakter zu erhalten, andererseits aber Schwächen in der Registerdisposition, Tragfähigkeit und Spieltechnik auszugleichen bzw. nach heutigen Standards und Ansprüchen zu modernisieren. Maßstäbe setzt neben den mal filigranen, mal maestätischen Klängen der nun auf 54 Stimmen erweiterten Orgel auch der neue viermanualige Spieltisch, der 2019 allein eine kleine sechsstellige Summe gekostet hat. Der ortsansässige Kantor KMD Frank Müller unterbrach sogar seinen Dekanatsposaunenchortag, um der Gruppe persönlich seinen "Arbeitsplatz" zu präsentieren.
Den krönenden Abschluss bildete mit der Evang.-Luth. Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren die letzte Station der Orgelfahrt. KMD Traugott Mayr - früherer Kantor der Dreifaltigkeitskirche - präsentierte den von ihm begleiteten und 2013 geweihten Neubau mit einem kurzen, hochanspruchsvollem Konzert mit Werken von J. S. Bach und C. Franck. Die 51 Register große Seifert-Orgel überzeugte insbesondere mit ihren innig-schönen, höchst individuell zeichnenden und ansprechenden Einzelregistern - von Streichern bis Flöten - , die gemeinsam gezogen nichtsdestotrotz zu einem eindrucksvollen Gesamtklang verschmolzen. Spätestens hier war - trotz des langen Tages - die Begeisterung auf ihrem Höhepunkt.
"Wir sind dem, wie wir uns eine neue Orgel in St. Anna vorstellen, heute ein großes Stück näher gekommen", konstatierten am Ende nicht nur Kantor Johannes Eppelein und der amtliche Orgelsachverständige KMD Oliver Scheffels aus Ingolstadt, die die Orgelfahrt organisierten und begleiteten. Die erste Orgelfahrt war weit mehr als nur eine Exkursion: Sie war eine Reise durch bewegende Klangräume und handwerkliche Meisterkunst.
Neben den Organisatoren gilt der Dank v.a. den Kirchenmusikern aus Mindelheim, Memmingen, Kempten und Kaufbeuren, die mit größter Leidenschaft und Begeisterung ihre Instrumente vorstellten und auf viele Fragen eingingen. Bei allen vieren war z.T. nach Jahrzehnten immer noch das Leuchten in den Augen zu sehen, wenn sie von den Anfängen und der schrittweisen Realisierung ihrer Orgelprojekte erzählten.
Die nächste Orgelfahrt ist für Samstag, 4. Juli 2026 geplant. Hier stehen dann vier Instrumente der Firmen Rieger, Klais und Goll in München und Landshut auf dem Tourplan.






