Orgeln und Glocken

 
Zur Ausstattung jeder Kirche gehört eine Orgel, die "Königin der Instrumente". Mal von wenigen Konzertsaal-, Kaufhaus- oder Hausorgeln abgesehen, findet man sie nur in Kirchen. Eine der optisch schönsten Orgeln weit und breit steht in St. Anna. Die Orgel in der Fuggerkapelle ist das Wahrzeichen unserer Kirche und für Touristen eines der begehrtesten Fotomotive in ganz Augsburg. Der Prospekt der Hauptorgel geht auf das Jahr 1512 zurück, als die Fuggerkapelle als Grablege von Jakob Fugger "von der Lilie" (1459-1525) an die Klosterkirche St. Anna angebaut wurde.
 

Immaterielles Kulturerbe

Die Dichte und Verlässlichkeit, mit der gerade in Deutschland (noch) in fast jeder Dorfkirche eine Pfeifenorgel steht, ist weltweit einzigartig! Daher wurde das Instrument Orgel gemeinsam mit der Orgelbaukunst als Handwerk 2017 von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erhoben. Alleine in Deutschland gibt es etwa 50.000 Pfeifenorgeln, die von ca. 400 Orgelbaufirmen betreut und gewartet werden. 
 

Instrument der Rekorde

Aber es ist nicht nur der Ort, an dem Orgeln für gewöhnlich zu finden sind, der dem Instrument göttliche Züge verleiht. Die Orgel ist nicht nur das größte, sondern zugleich das leiseste und lauteste Instrument in der Musikwelt. Durch eine Vielzahl an Registern (= Pfeifenreihen mit derselben Klangeigenschaft) ist der/die Organist:in Herr:in über ein ganzes Orchester mit Flöten, Streichern, Trompeten, Posaunen, Schalmeien, Oboen, Faogtten u.v.m.. Durch sog. "Alitquote" (= Obertonregister) ist die Orgel auch der älteste "Equalizer" der Welt, bei dem man durch verschiedene Registerkombinationen neue Klänge mischen kann. Nicht zuletzt ist die Orgel auch das teuerste Instrument der Musikwelt, in der Neuanschaffung wie auch im Unterhalt, was so manchem Kirchenverantwortlichen Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Als eines der am schwersten zu spielenden Musikinstrumente verlangt die Orgel schließlich auch dem Spielenden viel ab: Für das Orgelspiel muss ein hochkomplexes, hochkoordinatives Bewegungsmuster mit zwei Händen und zwei Füßen erlernt werden. In Literatur und Film werden Organist:innen daher oft als geniale Sozio- oder gar Psychopathen mit übernatürlichen Fähigkeiten dargestellt (z.B. in "Schlafes Bruder").
 

Instrument mit göttlichem Atem

Mag es wegen der vielen Rekorde sein oder weil sie in vielen Kirchen von Emporen, also gleichsam über den Dingen schwebend, erklingt: Die Orgel umweht immer eine gewisse überirdische Aura. Der nicht enden wollende, immerströmende Wind des Balges verleiht der Orgel einen "göttlichen Atem", der es ihr erlaubt, den Kirchenraum mit beliebig langen Klängen zu fluten. Der Komponist John Cage (1912-1992) ließ sich von diesem Aspekt für sein Stück ORGAN2/ASLSP inspirieren: "ASLSP" steht hierbei für "as slow as possible". So soll das Stück 639 Jahre (!) dauern. Die "Uraufführung" begann bereits 2001, in schon gut 600 Jahren wird also das große Finale zu hören sein. Haben Sie sich schon Eintrittskarten reserviert? Ganz im Ernst: Wenn der Klang davor und danach jahrelang derselbe bleibt, ist das Hinzutreten eines neuen Tons natürlich ein musikalisches Großereignis! Wer zum Aufführungsort in die ehemalige Klosterkirche St. Burchardi in Halberstadt kommt, hat das Gefühl, ein kleines Stück Ewigkeit zu erfahren.
 
Auf den nachfolgenden Seiten erfahren Sie alles zu den Instrumenten in St. Anna, angefangen von der Disposition der Hauptorgel in der Fuggerkapelle, über die Geschichte unserer Orgeln, dem geplanten Orgelneubau bis zu unseren sechs Glocken und weiteren Instrumenten.
 

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Eine neue Orgel für St. Anna