Aufgewachsen bin ich in einem Pfarrhaus in der süd-oberpfälzischen Peripherie, also in einer Gegend, wo einem „Evangöllische“ nur in homöopathischer Dosierung über den Weg laufen. Dank meiner musikbegeisterten Eltern war meine Heimatgemeinde mit Kirchen- und Posaunenchor nichtsdestotrotz die perfekte „Spielwiese“ für meine ersten kirchenmusikalischen Gehversuche. So übernahm ich noch zu Schulzeiten die Jungbläserausbildung im Posaunenchor und gründete zwei Singchöre. Zu meiner Überraschung ergatterte ich „Landkind“ nach Abitur und Zivildienst dann tatsächlich einen Studienplatz an der Musikhochschule in der „Metropole“ München, nicht ahnend, dass ich die Hochschule erst 17 Semester und mehrere Studienabschlüsse später (Kirchenmusik, Chordirigieren und Gesangspädagogik) wieder verlassen sollte.
Ähnlich wie schon zu Schulzeiten floss auch während des Studiums viel Herz, Kraft und noch mehr Zeit in die praktische Kantorenarbeit: Den Höhepunkt meiner sieben „nebenamtlichen Jahre in Vollzeit“ an der Jerusalemkirche Taufkirchen bildete die Aufführung des kompletten Bach’schen „Weihnachtsoratorium“ mit über 130 Mitwirkenden. Nach meinem Praxisjahr an der Christuskirche München war Rosenheim meine erste hauptamtliche Kantorenstation. Viele Menschen aus meinen fünf Chören dort sowie die herrliche Landschaft des Chiemgaus sind mir in den viereinhalb Jahren nicht trotz, sondern v.a. wegen Corona sehr ans Herz gewachsen. Als musikalische Highlights aus dieser Zeit bleiben mir v.a. Berggottesdienste mit dem Posaunenchor, das von mir mitinitiierte Chorfestival „Rosenheim singt“, mit dem Jugendchor entwickelte Musicals und eine überwältigende Aufführung des „Requiems“ von W. A. Mozart in Erinnerung. Nach einem einjährigen Perspektivenwechsel im „kirchlichen Ausland“ als Bezirkskantor an der Stiftskirche in Lahr bin ich nun wieder in meiner bayerischen "Heimatlandeskirche" gelandet. Ich empfinde es als ein Privileg, an so einer profilierten Stelle wie die an der St.-Anna-Kirche in Augsburg wirken zu dürfen.
Triebfedern meiner Tätigkeit sind neben musikalischem Anspruch Verkündigungwille, Begeisterungsfähigkeit und Menschenliebe. Ja, die Menschen, mit denen oder für die ich in und um St. Anna musiziere, stehen im Zentrum meiner Arbeit. Gerade in Zeiten, in denen sich viele Menschen immer weiter von der Kirche entfernen (oder war es umgekehrt?) möchte ich mich für das Wieder-in-Beziehung- und Wieder-ins-Gespräch-Kommen starkmachen. Musik kann hier Barrieren durchbrechen, Brücken bauen und auf einer tieferen Ebene ansprechen, ganz ohne viele Worte. Welch Schatz hier auch die Lage von St. Anna ist: Mittendrin und nah an den Menschen und am Puls der Stadt.
So freue ich mich, Sie kennenlernen und für die Kirchenmusik und insbesondere das Singen in Gottesdienst und Konzert begeistern zu dürfen – sei es als Besucher:in, Zuhörer:in oder Mitglied in einem der Ensembles und Chöre – auf dass die klingende frohe Botschaft viele Herzen erreiche!