Zum Programm
Neben „Klassikern“ legte Valenta bei der Programmwahl ein besonderes Augenmerk auf seltene Preziosen. Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur ist ein absoluter Burner. Virtuoses Laufwerk und das längste (und schwierigste) Pedalsolo leiten über zur eigentlichen Toccata, deren energischer Rhythmus sofort in den Bann zieht.
Nicht umsonst hat sie der berühmte französische Jazzpianist Jacques Loussier bevorzugt mit seinem Trio ins Programm genommen. Das Adagio greift schon der Romantik voraus und die Überleitung zur tänzerischen Fuge erstaunt mit ihrer für die Barockzeit unglaublich provozierenden Harmonik.
Sehr schön werden die beiden Variationswerke von Henry Smart und Joseph Bonnet gegenübergestellt. Während Henry Smarts Stück noch sehr konservativ erscheint (Choral mit immer bewegteren Variationen: Viertel-Achtel-Triolen-Sechzehntel), kostet Joseph Bonnet die große, symphonische Geste aus. Das 1906 entstandene Opus 1 wurde für zukünftige Konzertreisen geschrieben und enthält alle Parameter eines Reißers: Pianistisches Laufwerk, Sprünge und Pedaloktaven.
Alfred Hollins war ein blinder englischer Orgelvirtuose, der trotz seiner Behinderung als
Konzertspieler die ganze Welt bereiste (Europa, USA, Südafrika, Australien Neuseeland). Seine zahlreichen Orgelwerke (viele Charakterstücke) zählen zu einer eigenständigen Gattung der britischen Orgelromantik, die wieder neu entdeckt und oft gespielt werden.
Zwei Topstücke der tschechischen Romantik beschließen das Programm. Zunächst das
traumhafte Largo aus der Symphonie e-Moll op.95 von Antonin Dvořàk (er komponierte
das Werk in New York, wo er von 1892-1895 das National Conservatory of Music als Direktor leitete). Aufgrund der eingängigen Melodik ist die Symphonie eines der meist gespielten Orchesterwerke weltweit. Die Symphonische Dichtung für Orchester „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedřich Smetana, zeichnet den Lauf des gleichnamigen Flusses nach und gehört zu den prominentesten Werken der Programmmusik. Wir erleben durch die Orgelbearbeitung ein völlig überraschendes Hörerlebnis. Gewohnte Orchesterfarben (z.B. die Flöten am Anfang) können mühelos realisiert werden, wobei je nach Größe des Instruments die lauten Bässe des Orgelpedals die Tuttistellen noch grandioser erscheinen lassen.
Willibald Guggenmos, Festivalleiter
Zum Künstler
ONDŘEJ VALENTA wurde 1990 geboren. Er studierte ab 2014 bis 2019 an der Akademie für darstellende Kunst in Prag unter der Leitung von Pavel Černý. Zuvor studierte er am Prager Konservatorium, wo Jan Hora, einer der berühmtesten tschechischen Organisten, sein Lehrer war. Weitere Studien führten ihn an die Universität Mozarteum Salzburg zu Hannfried Lucke (2017/2018) und zwischen 2020 und 2021 nach München zu Prof. Christine Schornsheim. Er gewann mehrere internationale Orgelwettbewerbe. Seine Kenntnisse und Fähigkeiten erweitert er regelmäßig durch Meisterkurse in Tschechien sowie im Ausland (Deutschland,
Frankreich, Niederlande, Spanien und Liechtenstein), zum Beispiel unter J. Tůma, M. Schmeding, P. Crivelaro, L. Lohmann, E. Wiersinga, T. Jellema, J. P. Griveau, S. Baier und K. Urbaniak. Ondřej Valenta hat schon in Schweden, Italien, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Spanien, Polen, Dänemark und Österreich Konzerte gegeben.
Außer anderen musikalischen Aktivitäten unterrichtet er am Prager Konservatorium.
Er musiziert auch mit Solisten (insbesondere als Duo mit Flöte oder als Trio mit Orgel bzw. Cembalo, Violine und Flöte) sowie mit Chören und Orchestern.
Seit dem Jahr 2016 ist Ondřej Valenta Hauptorganist und Musikdirektor an der Basilika St. Petri und Pauli (Königliches Kapitel Vyšehrad) in Prag. Im Jahre 2024 wurde er als Organist an den St. Veitsdom in Prag berufen.