Eine neue Orgel für St. Anna

  
Teile des Gehäuses fallen auseinander
Unsere große Simon/Schmid-Orgel in der Fuggerkapelle von 1978 ist in die Jahre gekommen. Seit fast 50 Jahren erklingt sie zu Konzerten, Gottesdiensten und vielen weiteren Anlässen. Gott zur Ehre und Gottesdienst- und Konzertbesucher:innen zur Freude.
 
Damit dies auch zukünftig so bleiben kann, soll ein Orgelneubau in dem rekonstruierten Gehäuse von 1512 entstehen, der klanglich und technisch der optischen Schönheit der Orgel entspricht und den hohen Ansprüchen der Kirchenmusik an St. Anna gerecht wird.
  
Veraltete Elektrik und Elektronik an der Setzeranlage

Ein Schadensbericht

Durch die Jahrzehnte intensiven Gebrauchs ist die Traktur verschlissen, was eine lebendige, verständliche, gut artikulierte Spielweise zunehmend erschwert. Bei gekoppelten Manualen ist ein enormer Kraftaufwand notwendig. Der Tastentiefgang (vor allem im Pedal) ist zu groß und unterschiedlich, Störungen in der Elektrik häufen sich, zwei Koppeln funktionieren nicht mehr verlässlich und die Stimmung der Orgel lässt insgesamt sehr nach - umso massiver nach der Rekordhitze und Trockenheit des Sommers 2026. Wegen Materialermüdung in der Balgbelederung musste ein Balancierbalg 2024 ersetzt und zu diesem Zweck buchstäblich herausgesägt werden. Das Rauschen durch die Undichtigkeit hatte vorher nicht nur meditativ-stille Momente in Konzert und Gottesdienst gestört, sondern führte auch zu Stimmungsproblemen aufgrund des Druckabfalls in der Windversorgung, gerade im Plenum-Spiel. In den letzten Monaten sind erste "Heuler" (hängenbleibende Töne) auch für den Laien nicht zu überhörende Zeichen, dass die Simon/Schmid-Orgel ihre Halbwertszeit überschritten hat.
  
Verschmutzte Pfeifen im Hauptwerk

Viele Register, aber kein Platz

Neben dem altersbedingt üblichen Verschleiß sowie der Staub- und Schmutzbelastung hängen viele der Probleme unserer Orgel mit den knappen Platzverhältnissen im Gehäuse zusammen. Die Firma Schmid war eine Meisterin darin, die größten Orgeln in die kleinsten Gehäuse zu bauen. Dies wird umso plausibler, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die erste Fuggerorgel nur über 14 Register auf zwei Manualen und Pedal verfügte. Auf demselben Platz stehen heute dreimal so viele (45 Register).
 
Das extrem enge Aufstellen der Orgelpfeifen führt leider oftmals zu Einbußen bei Ansprache und Klang sowie zu Schwierigkeiten bei der Intonation: Die Pfeifen können nicht richtig „sprechen“, da sie sich gegenseitig funktionell in der Klangabstrahlung behindern, was außerdem zu Verstimmungen und Interferenzen und einem unruhigen, teils auch wimmernden Klang führt. Ein Vergleich mag dies verdeutlichen: Ein 40 Mitglieder starker Chor wird sich auf einem Podest für 60 Personen wohlfühlen und so verteilen, dass der gesamte Platz trotzdem gefüllt ist: Ergebnis ist ein weicher, runder, entspannter Klang. Stehen auf demselben Podest 80 oder mehr Sänger:innen wie die sprichwörtlichen "Sardinen in der Dose", fällt das Atmen und das Einnehmen einer für das Singen förderlichen Haltung schwer. Herauskommt ein gepresster, enger, plärrig-lauter, aber keinesfalls geerdeter, tragfähiger oder homogener Klang.
 
Selbst auf dem Hauptstimmgang durch die Orgel ist Seitwärtsgehen und Baucheinziehen angesagt.
In unserer Orgel fehlen aus Platzmangel mitunter sogar sogenannte Stimmgänge, auf denen der Orgelbauer eigentlich jede Pfeife erreichen können sollte. Daher sind einige Pfeifen unserer Orgel seit Jahrzehnten nicht mehr gestimmt worden, da dies zunächst den Ausbau anderer, "im Weg stehender" Register nötig machen würde - kurzum: mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden wäre. Wieder andere Pfeifen sind durch das bei Wartungsarbeiten notwendige Sich-Hindurchzwängen durch die Enge der Orgel mittlerweile stark deformiert und verbogen.
 
Der Platzmangel in der Orgel setzt sich auch an der Spielanlage fort: Der Spielende kann nur mit Schwindelfreiheit seinen Platz erreichen und sitzt dann sehr eingeengt zwischen Hauptorgel und Rückpositiv auf einer wackeligen Orgelbank aufgrund unebenen Untergrunds. Auch ein Zusammenspiel mit anderen Instrumentalisten wird durch die beengten Platzverhältnisse erheblich erschwert.
  
Die extrem enge Aufstellung der Zungenregister im Schwellwerk erschwert das Stimmen enorm.

Neubau statt nochmaliger Überholung

Aufgrund dieser grundsätzlichen Konstruktionssmängel erscheint nach den bereits erfolgten Verbesserungsversuchen der Firmen Schmid und Lutz eine weitere, dann dritte Überholung des bestehenden Instruments nicht sinnvoll. 
 
Hinzu kommt, dass die Grundsubstanz unserer Orgel, z.B. das Pfeifenmaterial, mit wenigen Ausnahmen nur von durchschnittlicher Qualität ist. Das lässt viele Register grob, charakterschwach und wenig vielfältig klingen. Der Orgel fehlt es an indiviuellen Klangfarben und Originalität. Auch wenn die Akustik unserer Kirche vieles veredelt und auch die Neuintonationen von 1992 und 2011 zu einer hörbaren Verbesserung des Gesamtklangs geführt haben, sind manche Register der Orgel hinsichtlich Volumen, Tragfähigkeit und Disposition noch vom neobarocken Klangideal geprägt. Entgegen der heutigen Vorstellungen (Grundtönigkeit, Tragfähigkeit) strebte man damals einen eher spitzen, obertonreichen Orgelklang an.
 
Dies hat auch der amtliche Orgelsachverständige KMD Oliver Scheffels aus Ingolstadt in seinem Anfang 2024 erstellten Bestandsgutachten so festgestellt:
 
"Ich rate dringend davon ab, in diese Orgel weiter Geld zu investieren. Die enge Bauweise und das fehlende Klangfundament ist das Grundproblem dieser Orgelkonzeption und deren Auswirkungen können weder durch Reparatur, Erweiterungen und durch eine Ausreinigung behoben werden. Meiner Ansicht nach wäre es deshalb sinnvoll und dringend notwendig, sich gedanklich mit einem Neubau zu befassen. Nur auf diese Weise könnte sich meiner Einschätzung nach die Situation grundlegend und nachhaltig verbessern."
 
KMD Oliver Scheffels in seinem Bestandsgutachten vom 9. Mai 2024
  
Wegen Materialermüdung eingeknickter Becher des großen B der Posaune 16'.

Aller guten Dinge sind drei...

Schon KMD Michael Nonnenmacher, Kantor an St. Anna von 1991 bis 2018, träumte von einer neuen Orgel. Nach Christian Barthen (2019-2022) soll das Orgelneubauprojekt nun mit dem inzwischen dritten mit dem Neubau befassten Kantor KMD Johannes Eppelein endlich Form annehmen.
 
Aufgrund der überreichen Ausstattung der St.-Anna-Kirche mit Gemälden, Epitaphien, Emporen und großen Fensterflächen kommt als Ort für die neue Orgel nur der bisherige in der Fuggerkapelle in Frage. Daher ist es essentiell den zur Verfügung stehenden Platz über der Fuggerkapelle mit einem innovativen, grundlegend neu gedachten Konzept besser zu nutzen. Dazu wird sicherlich auch das Notenarchiv des Madrigalchors, das im Moment noch "in" der Orgel lagert, weichen müssen, um Platz zu schaffen.
 
Planungen und Konzepte zum Orgelneubau enthalten auch Ideen zu einer Installation von Teilwerken der neuen Orgelanlage auf Lettner, Seitenempore und/oder im Ostchor ergänzend zum Hauptgehäuse in der Fuggerkapelle. Das würde ggf. auch den noch sicht- und spielbaren Überbleibseln der Lettnerorgel, die von 1948 bis 1974 auf dem Lettner stand, wieder Leben einzuhauchen. 
  
Absturzgefahr: Wer ins Orgelinnere will, muss über eine ungesicherte Leiter gut vier Meter emporsteigen. Im Hintergrund das Notenarchiv des Madrigalchors.

Über 50 Register und ein Fernwerk

An diesen weiteren Standorten könnten z.B. ein Echowerk, ein Chorwerk oder ein Fernwerk entstehen und die Lücken der aktuellen Orgeldisposition (z.B. durch spezielle Soloregister) schließen und insgesamt die Bandbreite der klanglichen Möglichkeiten erheblich steigern. Außerdem ließen sich dadurch stereo-artige Klangeffekte generieren und - womöglich erstmalig in der Geschichte von St. Anna - der ganze Kirchenraum könnte hör- und spürbar mit Klang gefüllt werden.
 
Durch die Aufteilung der Orgelanlage auf mehrere Standorte könnte das Instrument im Hauptgehäuse großzügiger mit den vorgegebenen, beschränkten Platzverhältnissen umgehen und dennoch insgesamt eine Größe von 50 bis 60 klingenden Registern auf vier Manualen und Pedal erreichen. Damit könnte sich die neue Orgel von St. Anna in die Reihe der herausragenden Instrumente anderer großer Kirchen, Kathedralen und Konzertsäle stellen.
 
Da St. Anna ein Ort der Kirchenmusik aus alter wie aus neuer Zeit ist und bleiben möchte, soll die neue Orgelanlage ein universelles Instrument sein, das die authentische Wiedergabe von Orgelliteratur sämtlicher Epochen ermöglicht, ohne sich zu sehr auf eine Epoche der Musikgeschichte einzuengen.
 
Um dem Gedanken einer fortwährenden Orgeltradition in St. Anna Rechnung zu tragen, fließen auch die Dispositionen und Klangeigenschaften der Vorgängerinstrumente in die Überlegungen zu einer neuen Orgel mit ein. Ebenso könnten die Metallpfeifen der alten Orgel eingeschmolzen und daraus neue Register gegossen werden, wodurch zumindest der Geist der alten Orgel in neuen Pfeifen weiterklingen würde.  
 
Allerhöchste klangliche, handwerkliche und technische Qualität sowie technologische Meisterschaft muss das übergeordnete Ziel des Projekts sein, um eine Orgel zu schaffen, die auf Jahrzehnte hinaus ein herausragendes und inspirierendes Instrument für Organist:innen aus Nah und Fern ist. Eine wahrhafte "Königin der Instrumente", die die Orgellandschaft der Stadt Augsburg und ganz Bayerisch-Schwabens bereichert und ergänzt.
  
Die Enge setzt sich auch am Spieltisch fort: Schlank zu sein ist Voraussetzung für alle, die an der Orgel spielen.

Unsere Orgel braucht Spender:innen - helfen Sie mit!

Jeder Orgelneubau finanziert sich heutzutage zum Großteil aus Spenden. Daher bitten wir Sie um Ihre Mithilfe! Dank der großzügigen Unterstützung einer Stiftung ist ein siebenstelliger Sockelbetrag für das Projekt "Eine neue Orgel für St. Anna" bereits gedeckt, sodass wir voraussichtlich noch im Winter 2026/27 den Orgelbauauftrag vergeben können.
 
Zur vollständigen Realisierung des Projekts sind wir aber auf Ihre Spenden angewiesen. Spenden Sie mit dem Betreff "Orgelneubau" auf das Konto des Vereins zur Förderung der Kirchenmusik bei St. Anna e.V.:
Verein zur Förderung der Kirchenmusik bei St. Anna e.V.
Sparkasse Schwaben-Bodensee 
IBAN: DE89 7315 0000 0200 6576 25
BIC: BYLADEM1MLM

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Wenn Sie wollen, können Sie auch hier ganz einfach mit wenigen Klicks online spenden. Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Spendenquittung aus.
  
  

Ziel 2030

Wir träumen von einer neuen Orgel zum 500-jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses (Confession Augustana) im Jahre 2030, in dem die ganze lutherische Welt in Augsburg zu Gast sein wird. Mit Ihrer Unterstützung können wir dieses hochgesteckte Ziel erreichen!
  

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